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09.07.2025
FAQ Wehrpflicht & Wehrerfassung
Die AG Antimilitarismus hat Antworten auf eure Fragen!
Vielleicht habt ihr schon gehört, dass in Deutschland gerade wieder über eine Wehrpflicht diskutiert wird oder ihr lest gerade zum ersten Mal davon. Die AG Antimilitarismus vom Jugendverband SJD – Die Falken hat versucht, die aktuellen Informationen verständlich zusammenzufassen, damit ihr wisst, was auf euch zukommt:
Was ist die neue Wehrerfassung?
Die Wehrerfassung ist eine neue Variante, die Daten junger Menschen für die Bundeswehr zu sammeln. Die Idee wurde schon im November 2024 beschlossen und wird jetzt von der neuen Regierung weiter ausgearbeitet. Schon vorher hat die Bundeswehr eure Namen und Adressen bekommen, wenn ihr nicht aktiv dagegen bei eurer Stadt widersprecht. Deswegen können sie euch auch jetzt schon personalisierte Werbung schicken, z. B. Postkarten mit euren Namen drauf. Dabei verstößt Werbung für den Militärdienst an Minderjährige eigentlich gegen die Kinderrechte.
Die neue Wehrerfassung ist noch viel ausführlicher und kann dazu führen, dass ihr zur Musterung gehen müsst.
Wann wird die Wehrerfassung eingeführt?
Dazu gibt es noch keine genauen Informationen. Die ersten Briefe könnten schon im Herbst verschickt werden, aber es kann auch gut sein, dass es noch länger dauert.
Wie wird die Wehrerfassung in Zukunft ablaufen?
Das ist gerade noch nicht ganz sicher. Wahrscheinlich kriegt ihr einen Brief, auf dem ihr einen Link oder einen QR-Code findet, der dann zum Fragebogen führt. Der eigentliche Fragebogen wird dann online ausgefüllt.
Welche Fragen genau gestellt werden, weiss man auch noch nicht genau. Es wird aber sehr wahrscheinlich abgefragt, wie sportlich und gesund ihr seid, ob ihr Interessen oder Talente habt, die für die Bundeswehr nützlich sein könnten und ob ihr Interesse an einem Wehrdienst bei der Bundeswehr hättet. Das sind alles sehr persönliche Infos und wir finden, dass das die Bundeswehr überhaupt nichts angeht!
Wenn die Bundeswehr durch den Fragebogen den Eindruck bekommt, dass ihr Interesse hättet, kann es sein, dass ihr zur Musterung gehen müsst. Dort werdet ihr vor allem medizinisch untersucht, auch wieder ein unangenehmer Prozess, der in eure Privatsphäre eingreift. Solltet ihr zur Musterung geladen werden, ist es sinnvoll, sich frühzeitig an Beratungsangebote für Kriegsdienstverweigerung zu wenden, z. B. die Organisation DFG-VK.
Wie sollte ich mich am besten verhalten?
Das ist abhängig vom Geschlecht, das in deinem Pass steht: Wenn du als Junge eingetragen bist, ist es verpflichtend, den Fragebogen auszufüllen. Tust du das nicht, kann es sein, dass du ein Bußgeld bekommst. Gerade ist aber noch nicht klar, wie hoch das sein könnte. Wenn du das Bußgeld nicht riskieren möchtest, gibst du am besten so wenige Informationen wie möglich an. Du kannst auch überlegen, ob du kreative Antworten geben möchtest, aber pass auf, dass daraus hervorgeht, dass du körperlich nicht fit genug bist und dass du auf jeden Fall keine Lust hast, einen Wehrdienst anzutreten.
Hast du einen weiblichen oder diversen Geschlechtseintrag im Pass stehen, wirfst du das Ganze am besten weg, denn für dich ist das Ausfüllen nicht verpflichtend.
Wird die Wehrpflicht wieder eingeführt?
Gerade steht noch kein fester Plan für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Trotzdem reden gerade sehr viel Politiker*innen aus verschiedenen Parteien darüber, dass wir in Zukunft eine Wehrpflicht brauchen würden. Boris Pistorius (der aktuelle Verteidigungsminister) sagt, dass eine Pflicht kommen wird, wenn sich nicht genug Menschen freiwillig melden. Und auch in seinem neuen Gesetzesvorschlag soll die Wiedereinführung erleichtert werden. Jetzt ist also genau der richtige Zeitpunkt, um sich als Jugendliche gegen diese Pläne zu organisieren. Denn diese Entscheidung darf nicht über unsere Köpfe hinweg getroffen werden.
Soll ich jetzt schon den Kriegsdienst verweigern?
Im Grundgesetz ist festgeschrieben, dass jeder Mensch aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigern darf. So einfach, wie das da steht, ist dieses Grundrecht in der Praxis leider nicht garantiert. Kriegsdienstverweigerung ist ein komplizierter Prozess, bei dem ihr euch Beratung suchen solltet, z. B. bei der Organisation und den Beratungsstellen der DFG-VK.
Gerade ist es noch nicht so klug, die Kriegsdienstverweigerung zu beantragen. Denn dazu gehört eine Musterung, die sehr unschön sein kann, da ihr vor allem medizinisch untersucht werdet und viel eurer Privatsphäre aufgeben müsst. Im schlimmsten Fall könnt ihr dann als tauglich für den Wehrdienst bewertet werden. Wenn ihr trotzdem jetzt schon mal aktiv werden wollt, könnt ihr den Antrag vorbereiten, aber noch nicht abschicken. Und am besten werdet ihr natürlich politisch aktiv gegen die Wehrpflicht, damit sie erst gar nicht wieder eingeführt wird.
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