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02.02.2004

Vor einem halben Jahrhundert bei den Falken

Erinnerungen von Horst Maximilian Sitzler aus Nürnberg

Maximilian Sitzler im Alter von 14 Jahren. (1954)
Maximilian Sitzler im Alter von 14 Jahren. (1954)

...dort trafen sich regelmäßig die Gruppen der Nestfalken, der Wanderfalken und der Sozialistischen Jugend. Ich hatte 1949 an einem ihrer dreiwöchigen Zeltlager teilgenommen und dabei eine ganze Menge demokratischer und sozialer Grundverhalten kennen, praktizieren und schätzen gelernt.

Einen Vorgarten anlegen und sauber halten, Essen holen und ausgeben, Geschirr waschen und abtrocknen, Dienst am Schlagbaum usw., alles gemeinsam und ohne Drückebergerei. Jede Zeltgemeinschaft wählte eine(n) Sprecher(in) und eine(n) Ersatzmann/-frau für die Aufgabe, ihre Belange in der Lagerversammlung (19 Zelte mit je ca. 15 Bewohnern) zu vertreten.

Freundschaft, Ordnung und Solidarität

Selbstverständlich ging ich dann zuhause auch jede Woche in dieses Falkenheim. An der Stirnseite des Raumes prangten die Worte: "Freundschaft, Ordnung, Solidarität" und wir bemühten uns tatsächlich nach Kräften, diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

Wir sangen und spielten viel, hielten Haus und Garten in Schuss, unternahmen Ausflüge und Wochenendfahrten, bei denen es immer von der augenblicklichen Laune meiner Eltern abhing, ob ich mit durfte oder nicht.

Internationales Zeltlager "Junges Europa" 1952

Im Jahre 1952 erlebte ich dann auch drei Wochen im großen Zeltlager "Junges Europa" beim Tegelberg in Füssen. Da waren 10.500 Teilnehmer aus dreizehn Nationen über 29 Zeltdörfer verteilt und alle Belange wurden nach absolut demokratischen Prinzipien geregelt. Ein schönes und wichtiges Erlebnis.

Falkenmitgliedschaft war dem Pfarrer ein Dorn im Auge

Es war keineswegs risikolos, "bei den Falken" zu sein. Viele aus den alten braunen Seilschaften fanden sich in den damals herrschenden Parteien wieder, und denen war alles linke ein Dorn im Auge. Mancher von uns wurde von Lehrer oder Pfarrer angesprochen, ob er nicht in eine "anständige Jugendgruppe" wolle und notfalls setzte man die Eltern unter Druck. Aber gerade in diesem Punkt waren meine Eltern einfach super ! Eine demokratische Jugend schien ihnen eindeutig besser, als die alten Prinzipien von Gehorsam und Disziplin in anderen Angeboten.

Das bei den Falken Erlebte ist mir tatsächlich ein Lebensinhalt geworden. Jeder ist für sich selbst, aber auch für seinen Mitmenschen, seinen Bruder verantwortlich.

Wir sangen viel, laut und oft falsch

Wie gesagt, wir sangen viel, laut und oft falsch, aber mit tiefer Inbrunst. "Brüder zur Sonne, zur Freiheit !" und "Kommt reicht eure Hände !" oder "Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’..." und wir hatten auch eine realistische Ahnung von dem, was wir sangen. Aber wir lernten auch unendlich viele lustige Lieder, wie z.B. die traurige Ballade vom plötzlichen Tod der Kuh des braven Ökonomen Sebastian.

Sing’ mer nou vom Wastl und von seiner Kouh

Und wenn ich dann nach der Gruppe am Kanal entlang nach Hause ging, sang ich vielleicht aus Leibeskräften: "Hei sing’ mer nou, sing’ mer nou vom Wastl und von seiner Kouh... Ostern war sie fett und prall, fett und prall, fett und prall, an Pfingsten lag sie tot im Stall, dem Wasterla sei Kouh !

Nachfolgend wurde dann detailliert beschrieben, wie dem damaligen Brauch folgend, jeder im Dorfe sein Stück von der Kuh abbekam, z.B.

Und die alte Englisch- Miss, Englisch- Miss, Englisch- Miss, kriegt ein neues Zahngebiß... Und der Pfarrer garnicht eitel, garnicht eitel, garnicht eitel, kriegt ‘nen neuen Tabaksbeutel...

Das ganze endete dann in der grandiosen, mit aller Kraft herausgebrüllten Schluß- Strophe: Und das ganze Himmelreich, Himmelreich, Himmelreich kriegt die Maul- und Klauenseuch’... , was dann unseren ansonsten sehr duldsamen und gutmütigen Gemeindepfarrer und späteren Kirchenrat, Herrn Hölzel dazu veranlasste, an einem Sonntag von der Kanzel herab zu erläutern, dass der Sozialismus den Menschen verderbe und ihn geradewegs in die Hölle führe !


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